Pressemitteilung

Medienmitteilung vom 29. September 2016

 

4. Oktober ist Welt-Tierschutztag:
Tierschützer fordern Anerkennung von Persönlichkeitsrechten von Tieren

Wädenswil, 29. September 2016. Die soziale Komplexität und die Intelligenz bei Tieren wird immer mehr anerkannt. OceanCare, Animal Trust und der Verein Wildtierschutz Schweiz rufen anlässlich des Welt-Tierschutztages ins Bewusstsein, dass Delphine, Elefanten, Wölfe und viele weitere Tiere als individuelle, nicht-menschliche Personen einzustufen sind, denen ein artgerechtes Leben und das Recht auf Freiheit und Wohlergehen zusteht. Um dem Schutz des Individuums gerecht zu werden, müssen Artenschutzbestimmungen weltweit grundsätzlich überarbeitet werden.

 

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Verhalten von Walen und Delphinen, Elefanten oder Wölfen nehmen stetig zu und zeigen, wie komplex deren Gemeinschaften und Kommunikationsweisen sind.

Wale und Delphine leben in einer völlig anderen Umwelt als Menschen und repräsentieren einen eigenständigen Zweig der Evolution sozialen Lernens und kultureller Weitergabe. Aber auch sie haben individuelle Persönlichkeiten, eine starke Selbstwahrnehmung, können in die Zukunft denken und haben die angeborene Fähigkeit, Sprache zu erlernen – sowohl ihre eigene, als auch eine rudimentäre symbolbasierte Sprache, die dazu dienen könnte, die Kluft in der Kommunikation zwischen Delphinen und Menschen ein Stück weit zu überbrücken.

Die Meeressäuger zeigen eine Bandbreite faszinierender Verhaltensweisen. Jede Gemeinschaft hat ihre eigene Kultur und Sozialstruktur, die nur einem hochentwickelten Verständnis unter Artgenossen entstammen kann. Wissenschaftler dokumentierten, dass Delphine um den Verlust von Gruppenmitgliedern trauern, Empathie auch mit Individuen anderer Tierarten haben und diese sogar vor Raubfeinden retten. „Dies sind nur einige Fakten, die Wale und Delphine dafür qualifizieren, individuelle Rechte zugesprochen zubekommen“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

Die kognitiven Fähigkeiten der Wölfe sind leichter mit jenen der Menschen zu vergleichen, aber auch diese Tiere überraschen uns. Die kulturelle Weitergabe des sozialen Rangs bei Wölfen beruht auf komplizierten und hochentwickelten kooperativen Beziehungen und Fähigkeiten zur Konfliktlösung. Diese Fähigkeiten haben einen grossen Einfluss auf die Gruppendynamik in Wolfsrudeln.

„Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wölfe einander ihre Intentionen mitteilen. Sie verstehen die Gedankenwelt der jeweils anderen. Das ist eine bemerkenswerte Fähigkeit, die von einem hohen Entwicklungsgrad zeugt“, erklärt Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz.

Auch unser Verständnis von Elefanten, ihren Gemeinschaftsformen und ihren Kommunikationsfähigkeiten hat sich verbessert. Elefanten zeigen Erinnerung, Moral, Emotionen, Empathie, Altruismus, hochentwickelte Kommunikation sowie die Fähigkeit zu lernen und zu lehren.

„Dem Elefanten wird nicht nur Weisheit, sondern auch hohe Intelligenz zugestanden. Er ist stoisch, mutig, erfinderisch und hat einen ausgeprägten Familiensinn. Er hat ein grossartiges Sozialverhalten, er kümmert sich nicht nur um die Aufzucht der Jungtiere, sondern auch um Verletzte und Alte. Die Fähigkeit zur Kommunikation ist bei den Elefanten hoch entwickelt, ebenso wie ihre Sinneswahrnehmung“, sagt Katharina Büttiker, Präsidentin von Animal Trust.

Vor dem Hintergrund, dass diese Tiere nach wie vor gejagt und zur öffentlichen Zurschaustellung missbraucht werden, sind sich die drei Vertreterinnen der Organisationen einig: Tiere hätten es schon immer verdient, von uns Menschen respektiert zu werden. Jetzt, da wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern, dass sie über Intelligenz und Kultur verfügen, haben wir die moralische Pflicht anzuerkennen, dass den Tieren als nicht-menschlichen Personen das Recht auf ein erfülltes, artgerechtes Leben in Freiheit zusteht.

Konkret heisst dies auch eine Reform der Artenschutzbestimmungen. Gültige Artenschutzabkommen, wie beispielsweise das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) fokussieren bislang auf die Erhaltung einer Art, wodurch das Wohlbefinden, aber auch die Rolle eines Individuums innerhalb einer Gruppe weitgehend unberücksichtigt bleiben. Dieses Konzept erlaubt die Dezimierung von Wildtierarten und strikte Schutzmassnahmen greifen erst, wenn es meist schon zu spät ist und Tiergruppen oder -populationen an den Rand der Ausrottung gebracht wurden. „Den Schutz des Individuums ins Zentrum von Schutzbestimmungen und internationalen Umweltverträgen zu stellen, wäre ein notwendiger, bahnbrechender Schritt“, sagt Lüber abschliessend.

 

Medienkontakte

Sigrid Lüber, Präsidentin OceanCare
T: (+41) 44 780 66 88, M: (+41) 79 475 26 87, slueber@oceancare.org.

 

Marion Theus, Präsidentin Verein Wildtierschutz Schweiz
M: (+41) 79 610 43 24, theritz@bluewin.ch

 

Katharina Büttiker, Präsidentin Animal Trust
T: (+41) 55 244 56 00, M: (+41) 79 349 58 33, info@animaltrust.ch

Video „New Whale Behaviour in Arctic Norway“ von Learning from Whales (Dauer 11’15”): https://www.facebook.com/LearnFromWhales/videos/564088970457965/. OceanCare arbeitet  bei ausgewählten Schutzbemühungen mit Learning from Whales zusammen. © Learning from Whales. Bei Lizenzfragen: learningfromwhales@hotmail.com.

Trailer Film „Ivory – a crime story“ von Sergey Yastrzhembskiy und Chris Bolzli (Dauer 2’40”): http://ivoryacrimestorythemovie.com/ivory-trialer/. Auszeichnung als bester Dokumentarfilm am New Yorker City International Film Festival 2016 - unterstützt durch Animal Trust

 

Weiterführende Informationen

Auswahl an Studien für die Beispiele im Text:

Wale und Delphine:

Marino, L., Connor, RC., Fordyce, RE., et al. 2007. Cetaceans Have Complex Brains for Complex Cognition. PLoS Biology. 5, 5: e139.

Marino, L. 2013. Humans, dolphins, and moral inclusivity. In The politics of species: Reshaping our relationships with other animals. Edited by Corbey, R. and Lanjouw, A. Cambridge, Cambridge University Press: 95.

Whitehead, H., Rendell, L., Osborn, RW. and Wursig, B. 2004. Culture and Conservation of Non-humans with Reference to Whales and Dolphins: Review and New Directions. Biological Conservation.

Rendell, L. and Whitehead, H. 2001. Culture in whales and dolphins. Behavioral and Brain Sciences. 24: 309-82.

Brakes, P. and Simmonds, MP. 2013. Whales and Dolphins: Cognition, culture, conservation and human perceptions. London: Earthscan.

Pitman, R. L. et al. 2016. Humpback whales interfering when mammal-eating killer whales attack other species: Mobbing behavior and interspecific altruism? Marine Mammal Science. doi:10.1111/mms.12343

Reggente, Melissa A. L. et al. 2016. Nurturant behavior toward dead conspecifics in free-ranging mammals: new records for odontocetes and a general review. Journal of Mammalogy. gyw089; DOI: 10.1093/jmammal/gyw089

 

Elefanten:

O'Connell, C. 2008. The elephant's secret sense: The hidden life of the wild herds of Africa. Chicago: University of Chicago Press.

Garstang, M. 2015. Elephant Sense and Sensibility. London: Academic Press.

McComb, K., Shannon, G., Sayialel, KN. and Moss, C. 2014. Elephants can determine ethnicity, gender, and age from acoustic cues in human voices. Proceedings of the National Academy of Sciences. 111, 14: 5433-38.

Wölfe:

Cordoni, G. and Palagi, E. 2008. Reconciliation in wolves (Canis lupus): new evidence for a comparative perspective. Ethology. 114, 3: 298-308.

Palagi, E. and Cordoni, G. 2009. Postconflict third-party affiliation in Canis lupus: do wolves share similarities with the great apes? Animal Behaviour. 78, 4: 979-86.

Arden, R. and Adams, MJ. 2016. A general intelligence factor in dogs. Intelligence. 55: 79-85.

Bekoff, M. and Allen, C. 2002. The evolution of social play: Interdiciplinary analyses of cognitive processes. In The Congitive Animals: Empirical and Theoretical Perspectives on Animal Congnition. Edited by Bekoff, M., Allen, C. and Burghardt, GM. London, MIT Press.

 

OceanCare

Seit 1989 setzt sich OceanCare weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie dem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Im Juli 2011 erhielt die Organisation von den Vereinten Nationen den UN-Sonderberaterstatus zugesprochen. www.oceancare.org

 

Animal Trust – Stiftung für Tiere

Animal Trust kümmert sich um Tierschutzprobleme, die überschaubar sind und rasch und effektiv gelöst werden können. Dabei fördert sie sowohl konkrete Projekte als auch langfristige Kampagnen, versteht sich aber auch als Bindeglied zwischen Institutionen. Dadurch will Animal Trust in Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft den dringenden Anliegen des Tierschutzes Gehör verschaffen. Damit Tiere nicht länger als Rohstoff und Nutzmaterial, sondern als vollwertige Lebewesen respektiert werden. www.animaltrust.ch

 

Verein Wildtierschutz Schweiz

Der Verein Wildtierschutz Schweiz setzt sich generell für den Artenschutz von Tieren ein. Der Verein bezweckt grossflächig über die verschiedenen Arten der Jagd zu informieren und wendet sich auch mit Initiativen und Petitionen gegen die Auswüchse der Jagd. Für den Verein Wildtierschutz Schweiz als Interessensvertreter der Wildtiere ist der nachhaltige Aufbau und Erhalt artgerechter Wildtierbestände in deren natürlichen Lebensräumen zentrales Ziel. www.wildtierschutz.org

Verein Wildtierschutz Schweiz
Postfach 9
CH-7260 Davos - Schweiz
 

© Verein Wildtierschutz Schweiz 2016

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