Leserbrief von Wildtierschutz Schweiz an die Zeitschrift NZZ am Sonntag

Autorin: Marion Theus

 

Leserbrief zum Artikel „ Schweizer Tierschützer radikalisieren sich in der Ausgabe der NZZ am Sonntag vom 19.3.2017 

Sehr geehrte Redaktion NZZ am Sonntag

Sehr geehrter Herr Lukas Häuptli

 

Der Titel hat uns sehr nachdenklich gestimmt und wir können das so nicht stehen lassen.

 

Es ist doch etwas eigenartig, die Tierbefürworter als radikal zu bezeichnen.  Ausnahmslos alle Tierschutzorganisationen in der Schweiz sind weder gewalttätig, noch versprayen sie Häuser oder dringen in Ställe ein. Dass sich der Widerstand gegen unhaltbare Zustände beim Umgang mit Tieren häufen, ist eine gesellschaftliche Entwicklung, eine Einsicht wider dem Machtanspruch von uns Menschen!  

 

Tiere sind keine Ware zu unserem „Nutzen“ und die Bewilligung zum quälen und töten haben wir schon gar nicht. Nicht die Tierbefürworter haben sich radikalisiert, sondern die Bauern- und Fleischverbände radikalisieren sich seit Jahrzehnten. Versuchen die Konsumenten mit heile Welt Bilder, Kühe und Schweine auf der Blumenwiese usw einzulullen und zu belügen. Dabei werden unsere Tiere unter unmenschlichen Bedingungen herumgekarrt, geschlagen, in der Sonne ohne Wasser stehen gelassen, im Schlachthaus halb tot mit Schlägen hineingetrieben und fehlerhaft, nachlässig betäubt und noch halb lebend aufgesägt!! Wer ist da radikal - die Nutztierbranche oder die Tierrechtsorganisationen????? 

Leserbrief von Wildtierschutz Schweiz an die Grossrätinnen und Grossräte des Kantons Graubünden

Autorin: Marion Theus

Der Wildtierschutz Schweiz ist bestrebt eine naturverträgliche Jagd im Kanton Graubünden zu erwirken. Wir sind nicht für eine Abschaffung, sondern fordern, dass der Tierschutz auf der Jagd ehrlich wahrgenommen und nicht als Alibiübung, wie in der Teilrevision vorgesehen, verpackt wird.  Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert und einhergehend auch das Verständnis für den Umgang mit Tieren. Wenn die Patentjagd in unserem Kanton auch weiterhin ausgeübt werden soll, ist ein Umdenken unumgänglich.  Wir wissen, dass die Jagd für Laien ein Buch mit 7 Siegeln ist, vertrauen aber darauf, dass Sie als Grosser Rat diese Teilrevision des kantonalen Jagdgesetzes mit offenem Herzen und seriös beurteilen und nicht tel-quel durchwinken. Ihre Entscheidung kann viel Tierleid verhindern.

 

Dazu nur die wichtigsten Überlegungen aus Tierschutzsicht:

Die Fallenjagd darf ausschliesslich von Wildhütern und nicht zum Töten, sondern zur Umsiedlung von Tieren in andere Gebiete betrieben werden. Wenn weiterhin Ausnahmen für Jäger erfolgen, bleibt alles beim Alten und es gibt keine Änderung in dieser brutalen und überholten Jagd. Die Alibiänderung des AJF darf nicht erlaubt sein, die Fallenjagd muss abgeschafft werden. Die Schiessprüfung muss mit der Gebrauchsmunition (10,2 mm und mehr) wie sie auf der Jagd benutzt wird und mit einer Entfernung von min 150-200m auf ein bewegliches Objekt erfolgen. Mit Kleinmunition, wie jetzt auf 100m und ein starres Objekt, kann jeder Laie problemlos nach 2-3 Schüssen ebenfalls die Prüfung bestehen.

Dies entspricht keiner seriösen Zielübung und die meisten Jäger bleiben schlechte Schützen. Das ist eine Täuschung, unbrauchbar im Feld; unser Vorschlag muss als seriöse Prüfung eingeführt werden.

Die Vogeljagd ist dringend abzuschaffen. Die verbissene Verhinderung eines Verbots hat ganz pragmatische Hintergründe: Die Jäger sagen schon länger, dass man auf die Greifvogeljagd mit Krönung vom Abschuss der Adler wartet. Das AJF hat klar an der Pressemitteilung kommuniziert, dass praktisch alle Territorien im Kanton vom Steinadler besetzt sind. Ergo – und das wird auch vom Amt bestätigt, rückt die Jagd auf den Adler in greifbare Nähe. Abgesehen davon sollen auch das bereits gefährdete Schneehuhn und der Birkhahn eine Attraktion der Jagd bleiben.

 

Eine unmögliche Begehrlichkeit, die vom Volk sicher nicht ohne Reaktion bleibt. Bereits die Vogeljagd hielten 90% der Bevölkerung bei der Unterschriftensammlung als nicht zulässig. Leider ist sie immer noch Tatsache! Die Vogeljagd muss abgeschafft werden.

 

Die 4 Tage Zusatzjagd im Oktober ist eine Ausdehnung der Jagd, die ursprünglich als Entlastung der Sonderjagd/Herbstjagd diskutiert wurde. Heute ist keine Rede mehr davon, dass dies in irgendeiner Weise die Sonderjagd stoppt oder auch nur eine annehmbare Lösung darstellt. Man nimmt immer mehr - aber gibt nichts!

Eine ganz fatale Entwicklung ist der Punkt „ Weiterer Revisionsbedarf“ - Die Grenze der Anzahl zusammenjagender Jäger auf 4 ist weiterhin beizubehalten und nicht aufzuheben. Dies würde heissen, dass nun neu die Treib- oder Drückerjagd eingeführt werden kann, eine überaus brutale und tierverachtende Methode der Revierjagd (diese Methode wird im In- und Ausland bereits intensiv bekämpft!). Das bedeutet, dass man in grösseren oder grossen Gruppen die Tiere treiben kann, direkt in die Arme der Scharfschützen, die auf die in Panik fliehenden Tiere schiessen, mit dem Bündner-Grosskaliber (als einziger Kanton in der Schweiz erlaubt!). In diesem Tumult der fliehenden Tiere können keine präzisen Schüsse abgegeben werden, - das ist gar nicht möglich bei den Geschwindigkeiten die z.B. Hirsche an den Tag legen. Ergo noch viel mehr verletzte Tiere. All das ist das Resultat einer ausgeklügelten und für Laien gut getarnten sogenannten Teilrevision des kantonalen Jagdgesetzes, die in fast allen Teilen weiterhin einer reinen Protektion der Jagd dient. Ein schamloser Versuch, die Pfründe zu sichern.

 

Darum verlangen wir in unserer Initiative unter Punkt 5 Im Amt für Jagd und Fischerei, sowie in der Jagdkommission müssen Tierschützer/Jäger sowie Nichtjäger paritätisch vertreten sein. Dies um unter anderem in Zukunft solche Tricksereien und Mauscheleien innerhalb der Kommissionen und im Amt für Jagd und Fischerei zu vermeiden und dem Tierschutz die nötige Unterstützung zu geben, wie es im Bundesgesetz vorgesehen wäre.

 

Die vom AJF vorgeschlagene Teilrevision des kant. Jagdverordnung ist kontraproduktiv für eine naturverträgliche Jagd und verhindert zusehens den propagierten Natur-Tourismus im Kanton Graubünden. Wir haben von Einheimischen und Touristen viele Meldungen, dass keine Wildtiere in natürlicher Umgebung im Kanton Graubünden mehr zu sehen sind.

Der vorgesehene erhöhte Jagddruck mit der neuen Treibjagd wird dieses Problem noch verschärfen.

 

Wir bitten Sie aus diesen Überlegungen heraus, den wichtigsten, oben erwähnten Punkten, wie in der Teilrevision vorgesehen sind nicht zuzustimmen.

 

Wir danken Ihnen Allen für Ihre sorgfältige und verantwortungsbewusste Überlegungen auch im Sinne der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die eine intakte Natur in Graubünden schätzen würden.

 

Wildtierschutz Schweiz Postfach 9
7260 Davos-Dorf

Verein Wildtierschutz Schweiz
Postfach 9
CH-7260 Davos - Schweiz
 

© Verein Wildtierschutz Schweiz 2016

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