PASSJAGD

Um die erbarmungslose Verfolgung eines unseres interessantesten Beutegreifers zu rechtfertigen, behauptet man kurzerhand, die Fuchsjagd sei „notwendig“, weil die Fuchsbestände ansonsten überhand nähmen. Eine längst überholte Ansicht!

Dazu einige Fakten: Die soziale Dichtekontrolle reguliert Fuchsbestände. Wie wir aus jagdfreien Gebieten wissen, sorgt die Sozialstruktur von Fuchspopulationen dafür, dass Füchse sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin (Fähe) Nachwuchs bekommt. Die Geburtenrate ist relativ gering und die Populationsdichte bleibt konstant. Englische Forscher um den Biologen Stephen Harris konnten aufzeigen, dass selbst ein 150faches Nahrungsüberangebot die Fuchsdichte nicht weiter wachsen lässt. Genf's Wildtiere leben gut ohne die Jagd und die Fuchspopulation ist seit Jahrzehnten stabil. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin wird befruchtet. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst. In der Schweiz findet in verschiedenen Kantone bis tief in den Winter hinein (Ende Februar) die sogenannte Pass- und Fallenjagd statt. Bei diesen hinterlistigen Jagdformen werden Füchse, Dachse, Marder usw. auch in der winterlichen Notzeit mit Futter (Katzen- und Hundefutter, Jagdabfälle, Innereinen usw.) angelockt, vertraut gemacht und getäuscht, nur um sie sinnlos und zum Spass töten zu können. Viele Jäger meinen den Fuchs jagen zu müssen, weil er ein Mitesser und Beutekonkurrent von Hasen und Co. ist. Jäger verstecken sich hinterhältig und feige, gemäss der Natur der Passjagd, um verschiedene Wildtiere an den von Jägern präparierten Futterstellen (Luderplatz) zu erschiessen (wenn dann der Räuber kommt). Das Motto der Jäger "Nur ein toter Fuchs ist ein guter Fuchs" ist tierverachtend. Füchse sind nicht aggressiv und greifen Menschen nicht an. Füchse sind wunderschöne Tiere. Aus Schlafzimmern, Maiensäss, Passhüttchen ausgestattet mit einem Tarnfensterchen wird geschossen. Egal ob es der gesunde Vaterfuchs oder sogar möglicherweise die Mutter der im Bau liegenden Jungen ist. Gejagt werden sie durchgehend bis 1. März ab dem 15. Juni. Von Jagd kann da wirklich nicht mehr die Rede sein.  Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulation“ von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jägerischen Mitteln überhaupt möglich. Die Schweizerische Tollwutzentrale folgert daher, dass eine jägerische Reduktion von Fuchspopulationen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraktproduktiv sei. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die Tollwut besiegen – sie gilt heute in der Schweiz und in weiten Teilen Europas als ausgerottet. Dennoch wollen uns manche Jäger glauben machen, man müsse die Natur mit der Flinte „zurecht schiessen“.  Dass es anders wesentlich besser geht, zeigen jene wenigen Gebiete, in denen Füchse nicht bejagt werden. Nirgendwo ist eine drastische Vermehrung des Fuchses festzustellen.  Natürlich wird von den Jägern der Fuchs auch so intensiv bejagt, weil er ein Beutekonkurrent ist. Immer wieder hören wir, dass der auf der roten Liste vermerkte Feldhase in die Pfanne der Jäger gehört. Der Fuchs wird durch die Jäger zum Wegwerfartikel degradiert.  Übrigens hat man bei der Staupe festgestellt, dass Wildtiere bereits Antikörper gebildet haben und die Gefahr somit marginal ist. Meistens sind es Jäger und andere Risikogruppen, welche sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren. Etwa 5 - 10 Personen stecken sich in der Schweiz pro Jahr mit dieser Leberkrankheit (Echinococcus multilocularis) an. Dies ist nicht mehr als früher, wo man weniger Füchse in den Städten vorfand. Das Immunsystem der meisten Menschen ist stark genug, um eine Infektion abzuwehren. In der Regel bilden sich die Larven des Fuchsbandwurms in der Leber von Mäusen und einigen Ratten. Frisst ein Fuchs die befallene Maus, entwickelt sich in seinem Darm wieder ein Bandwurm. Auch Katzen und Hunde, die Mäuse fressen, können so den Parasiten verbreiten, erkranken selbst aber nicht. In unserer schweizerischen „Jagdtradition“ sind die Jäger immer noch der veralteten Meinung, dass es „Schädlinge“ zu vernichten gilt. In der Jägersprache gibt es den Begriff „Raubzeug“ für z. B. Eichelhäher, Marder usw., was die veraltete Einstellung glasklar aufzeigt, sowie das tierverachtende Jägerlatein. Es gibt keine unnützen Tiere, jede Spezies hat ihre eigene nützliche Nische in der Natur. Das Anfüttern von Füchsen zum einfacheren Abschuss hat mit Jagd und mit Respekt vor der Natur nichts mehr zu tun. Die Tiere werden aus Gebäuden und aus nächster Nähe abgeschossen, ohne Chance auf Flucht. Die Jäger profilieren sich als Naturschänder. Es kommt auch vor, dass Jäger die Unterscheidungskraft fehlt und sie in der Dunkelheit der Nacht geschützte Wildtiere wie der Luchs erlegen. In der Schweiz fällt besonders der Kanton Bern negativ auf, mit seiner überproportionalen Jagd nach dem Fuchs. Man muss davon ausgehen, dass die Probleme hausgemacht und herangezüchtet werden.  Füchse sind als Gesundheitspolizisten und eifrige Mäusevertilger, wichtige Mitglieder des Naturhaushalts. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass sie wie Schädlinge behandelt und jedes Jahr zu Hunderttausenden getötet werden - es wird höchste Zeit, dass wir Reineke wenigstens Schutz vor menschlichen Nachstellungen gewähren. 

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